Montag, 3. Dezember 2007

Was ist leicht und dreht sich?



...diesen Titel hat sich ein Ride Lite Leser gewünscht - hier der passende Artikel:


1. Der Standard - die gebogene Speiche



Das wohl gängigste System. Eine gebogene Stahlspeiche, am Anfang ein Bogen mit Verdickung, am Ende Gewinde, vorgesehen für einen Alu- oder Messingnippel. Gängige Größen: 1.5, 1.8, 2.0, wobei nur die beiden letzten für den harten Einsatz geeignet sind. Üblicherweise werden sie in 28, 32, 36 sowie 48 facher Ausführung verbaut.

Pros:
- große Auswahl an passenden Naben
- Speichen passen sich besser Verformungen an, Stahl lässt sich einfach in seine Ursprungsform zurückbringen
- nahezu alle Längen erhältlich, es gibt Maschinen die auf jede erdenkliche Länge abschneiden und neues Gewinde schneiden können
- Leicht zu zentrieren
- halten auf großer Spannung stand
- jedes Preissegment wird bedient
Cons:
- teilweise bedingt durch das Werkmaterial schwer

Und die leichtesten Naben dafür? Zur Zeit kann man folgende Marken fast uneingeschränkt empfehlen:
- Ringlé
- Hope
- Tune
- sowie einige BMX Vorderradnaben von z.B. Demolition



Apropro BMX Naben - inzwischen setzt man bei BMX Naben teilweise auf flanschlose Bauart, generell haben die Naben eher sehr niedrige Flansche. Optisch natürlich sehr schön, filegran eben. Allerdings bringt dieses Design einige Nachteile mit sich, sofern man mit mehr als 20" unterwegs ist.
Es gibt einen einfachen Merksatz, den man auch auf alle Systeme anwenden kann: Je geringer der Abstand zwischen Nabenflansch und Felge, desto stabiler. Das widerspricht sich mit dem Flanschlos-Design, also ist eine BMX Nabe im 24" oder 26"ler eher weniger sinnig.
Zweiter Merksatz: Je breiter die Nabe baut (Abstand von Flansch zu Flansch), desto stabiler das Laufrad. Folglich ist man mit einer Singlespeed Nabe am stabilsten unterwegs.
Wie baue ich ein Laufrad möglichst stabil und leicht auf?
Für den harten Einsatz empfiehlt sich die dreifach-gekreuzte Einspeichtechnik, kombiniert mit 2.0 und 1.8 Speichen im Wechsel. Grundsätzlich sind Messingnippel die beste Wahl, weil sie am widerstandfähigsten sind. Verzichtet man auf die Vorderradbremse können dort ohne große Bedenken leichte Alunippel, eventuell auch in tollen Eloxalen, verbauen. Es gibt einige Fahrer, die auf komplette Alunippelausstattung schwören, also durchaus auch eine Option. Nachteil: Speichen reißen leichter aus, Probleme können beim Zentrieren auftreten, wenn das Aluminium "aufblüht", sprich oxidiert. Dies lässt sich aber mit regelmäßiger Pflege (z.B. mit Kriechöl)verhindern. Die Zeiten von schweren 48 Speichen pro Laufrad sind lange vorbei, inzwischen kann man problemlos vorne und hinten auf 32 Speichen zurückgreifen. Experimentierfreudige können zumindest vorne auch 28-Loch ausprobieren.
Die Felgenwahl ist jedem selbst überlassen, für vorne ist oft eine stabile und sehr leichte CC/Cross/All Mountainfelge wie zum Beispiel eine DT Swiss 4.1 (425g) völlig ausreichend. Hinten ist die größte Belastung, also heißt es lieber ein paar Gramm schwerer (z.B. Sun Rims Singletrack). Als Geheimtipp kann ich die Mavic XM719 (nicht Disc, 460g) empfehlen, die sowohl schon lange bei Djingis als auch bei mir im Einsatz sind. Wichtig: wer leichte Laufräder fahren will, sollte schon etwas länger und halbwegs sauber fahren. Das A&O ist die Einspeichqualität, von der die Haltbarkeit zu etwa 50% (wenn nicht sogar mehr) abhängig ist. Also lohnt der Gang zum Spezialisten, für manche sogar der Meisteraufschlag beim Preis. Speicht man so einen Laufradsatz ein, landet man im Bereich um 1,7 kg/Laufradsatz.


Die Konkurrenz:

2. Spinergy



Der High-End Laufradbauer Spinergy setzt auf sein eignes System und verbaut gerade "PBO" Fieberglassspeichen. Der hohe Anschaffungspreis (ab ca. 1000 Euro gehts los) scheint aber bei der sehr guten Qualität zu stimmen, die Teamfahrer Benny Straßer und auch Steffie Maart haben ihre Laufräder weder zerstört noch beschädigt, es gab lt. Veltec noch keine Reklamationen. Unterstrichen wird der gute Eindruck durch den erfolgreich absolvierten Test der "Bike". Die Speichen haben einen sehr guten Seitensteifigkeitswert und eine gute Eigendämpfung. Ab 1696g bekommt ihr einen stabilen Laufradsatz. Mehr zu Spinergy findet ihr auf Spinergy.com.

3. Mavic



Auch Mavic setzt auf gerade Speichen, allerdings in einer günstigeren Preisklasse. Gerade Speichen haben den Vorteil, die Schwachstelle des Bogens bei der normalen Speiche zu elimieren. Nachteil von geraden Speichen ist die schlechte Nachzentrierbarkeit. Man hört gelegentlich auch von "abgesprungenen" Speichen bei Mavic Systemlaufrädern, gerade im Dirt-/Streetbereich. Es hat den Anschein, dass das Mavicsystem Einschläge nur schwer verkraftet. Grund könnte u.a. die nach oben offene Speichenaufnahme an der Nabe sein. Ganz anders sprechen ambitionierte 4Xer, kein Wunder: los gehts ab ca. 1,4kg bei Mavic Crossmax SL (CC-LRS). Für 4Xer und DH-Racer sind Mavicsystemlaufräder sicherlich eine gute Wahl.

4. RB Design



RB Design setzt ebenfalls auf gerade Speichen, allerdings ist hier die Speichenaufnahme geschlossen. Das System ist vergleichbar mit den o.g., allerdings sind die Naben nicht wirklich leicht (vorne 324g (20mm), hinten 385g (QR)).



5. Plastic Wheels



Der bekannteste Hersteller ist wohl Tuff. Erhältlich sind die Laufräder von 4-24" im Oldschool Design. Leider ist auch dieses System nicht das leichteste, hat aber einen klaren Vorteil: Das Zentrieren. Hat man einen Schlag im Laufrad, legt man es kurzerhand eine Weile in die Tiefkühltruhe und behebt so das Problem, in der Kälte richten sich die Moleküle des Laufrads neu aus. Wer auf den Oldschool-Look steht und etwas mehr Gewicht und eine geringere Nabenauswahl in Kauf nimmt, kann mit diesem System glücklich werden.

6. Industry Nine



Industry 9 setzt voll auf Aluminium. Verbaut werden gerade 2.5 oder 2.8er Speichen, auch die Kombination aus beiden ist möglich. Alu-Speichen? Sind die nicht zu spröde? Nein beantwortet Industry Nine diese Frage. Die Laufradsätze werden durch ein aufwendiges Verfahren eingespeicht. Beispielsweise werden die Speichengewinde in spezielles Leinenöl getaucht, bevor man sie einschraubt. Die Methode macht Hardcore Laufradsätze unter 2kg möglich! Allerdings hat das ganze seinen Preis, 1000 Euro auch hier keine Seltenheit.





Da man net alles wissen kann, geht großer Dank an Ullrich "der Ulfred" raus!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wie siehts denn aus mit marwi titanium spokes? hab zwar mal davon gehört, nur genaue info habe ich nicht und erfahrungsberichte noch weniger.
würde mich doch sehr interessieren :)

Anonym hat gesagt…

Merci für den informativen und ausfürlichen Artikel

kleiner leichtbau reuber hat gesagt…

find ich gut das ihr das alles mal zusammengefast habt!
ich fänds allerdings besser wenn ihr noch ein paar billigere laufräder gezeigt hättet!

Pesling hat gesagt…

Billig ist im Puncto leichte Laufräder schwer...da sollte man auch net am falschen Ende sparen. Ab ca. 300 Euro gehts los (Custom LRS).